Portrait Chester Bennington in Kohle und Grafit

Warum habe ich Chester Bennington ausgewählt?
Ich muss ehrlich gestehen: Ich habe Chester Bennington leider nie live gesehen. Heute bereue ich das sehr. Denn uns verbindet etwas, das wir beide uns niemals ausgesucht hätten – unsere inneren Dämonen.
In uns ist es selten still.
Oft verzweifeln wir an uns selbst. Wir werden unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht und fühlen uns fehl am Platz. Während es um uns herum ruhig ist, herrscht in unserem Inneren ein ohrenbetäubender Lärm. Dieser ständige Kampf gegen sich selbst raubt jede Kraft.
Man wacht morgens auf und hat nicht einmal die Energie aufzustehen. Selbst die Dinge, die einem eigentlich guttun und Freude bereiten, werden plötzlich zur Belastung. Man möchte funktionieren – und kann es doch nicht. Man fühlt sich eingesperrt in einer Hülle, in der der eigene Verstand zum größten Feind geworden ist.
Dann werden die falschen Gedanken schnell zum Wegweiser.
Und trotzdem setzen wir eine Maske auf. Wir bringen andere zum Lachen, obwohl uns selbst überhaupt nicht danach zumute ist. Wir spielen den Clown – nur ohne Schminke und rote Nase. Doch der Effekt ist derselbe. Genauso wie niemand die Tränen eines Clowns sieht, sieht auch kaum jemand die Gedanken, die uns Tag für Tag begleiten.
Obwohl wir darüber sprechen, Therapien besuchen oder Medikamente nehmen, damit diese dunkle Seite nicht die Oberhand gewinnt, kann irgendwann der Moment kommen, an dem ein Mensch keine Kraft mehr findet und diesen Kampf verliert.
Chester Bennington verlor diesen Kampf am 20. Juli 2017.
In einem seiner letzten Lieder singt er:
"Who cares if one more light goes out? Well, I do.".Übersetzt heißt das: "Wen kümmert es, wenn noch ein Licht ausgeht?" Nun mich kümmert es! Dieser eine Satz bedeutet für mich alles.
Denn jede einzelne Seele, die diesen Kampf verliert, hinterlässt eine Lücke. Jeder Mensch zählt. Jede Geschichte zählt. Und jedes Licht, das erlischt, hinterlässt Dunkelheit bei denen, die zurückbleiben.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich dieses Bild gemalt habe.
Nicht nur, um an Chester Bennington zu erinnern.
Sondern um all den Menschen zu sagen, die täglich gegen ihre eigenen Dämonen kämpfen:
Du bist nicht allein. Und dein Licht bedeutet mehr, als du vielleicht gerade glauben kannst.